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Pressestimmen Übung der Feuerwehrfrauen
Nachricht vom: 05.06.2007
Verfasser: Dirk Ohler

Fotos der Übung

 

Main-Echo vom 04.06.2007

Schauübung nach Notfall abgebrochen

Zuschauer nach Herzinfarkt wiederbelebt - Frauen seit 25 Jahren in Niedernberger Feuerwehr aktiv

 

Niedernberg. Seit 25 Jahren gehören die Frauen zur aktiven Mannschaft der Niedernberger Feuerwehr. Am Samstag zeigten die Damen zusammen mit ihren Kolleginnen aus verschiedenen Nachbarwehren, dass »bei der Feuerwehr auch die Frauen ihren Mann stehen«. Überschattet wurde die Jubiläumsveranstaltung durch einen Notfall.

 

Funkmeldeempfänger fangen an zu piepsen, die Sirene heult über Niedernberg auf: Übungsalarm für die Feuerwehrfrauen. Angenommen wurde ein Brand in der »alten Sandsteinschule«. Bei Arbeiten in dem Gebäude war es zu einer Verpuffung gekommen, drei Arbeiter werden noch vermisst. Ein durchaus realistisches Szenario hatte Helmut Schmitt für die Großübung vorbereitet.

 

Gemeinsam mit Nachbarwehren

 

Kommandant Uwe Reinhard kommentiert vor Dutzenden interessierter Zuschauer die Abläufe. Kaum war das Getöse der Sirene verklungen, rückten die ersten Feuerwehrfahrzeuge an. Michaela Bauer aus Stockstadt hatte die Leitung des gemeinsamen Einsatzes der Feuerwehrfrauen aus Niedernberg, Großwallstadt, Mömlingen, Großostheim und Stockstadt.

 

Die knapp zwei Dutzend Wehrfrauen hatten das Geschehen schnell im Griff. Ob als Maschinistin am Pumpenbedienstand, unter Atemschutz, auf der Drehleiter oder im »Innenangriff« - die Übungsteilnehmerinnen gingen gekonnt und gezielt vor.Vom Dach des Löschfahrzeuges wurde die tragbare Leiter heruntergenommen und unter einem Fenster positioniert. Schnell war auch der erste vermisste Arbeiter gefunden und wurde über die Leiter in Sicherheit gebracht.

 

Kurz nachdem die Übung richtig angelaufen war, wurden die Feuerwehrleute jedoch von der Realität eingeholt. Ein Niedernberger Feuerwehrmann war in den Zuschauerreihen mit einem Herzinfarkt zusammengebrochen. Ungeachtet des ersten Schocks wurde schnell gehandelt: Kreisfeuerwehrärztin Dr. Jutta Witti begann, unterstützt von »First Respondern« der Stockstädter und Großostheimer Feuerwehren, sofort mit der Reanimation des 57-jährigen. Schnell waren auch Notarzt und Rettungsdienst vor Ort.

 

Die Maßnahmen zeigten auch den gehofften Erfolg - der Mann konnte wiederbelebt werden. Anschließend wurde er mit dem Rettungshubschrauber in eine Frankfurter Spezialklinik geflogen. Wie gestern zu erfahren war, ist er inzwischen außer Lebensgefahr und es geht ihm den Umständen entsprechend gut.

 

Notarzt Dr. Jürgen Luxem betonte, nur durch die schnelle und professionelle Hilfe habe das Leben des Mannes gerettet werden können. Sowohl die Bemühungen der anwesenden Ärztin wie auch der speziell ausgebildeten Ersthelfer und des schnell eintreffenden Rettungsdienstes seien die Grundvoraussetzung für den Erfolg gewesen.

 

Bürgermeister Jürgen Reinhard entschied unmittelbar nach dem Vorfall, die bereits vorhandene Notfallausrüstung der Feuerwehr durch einen Defibrillator zur Wiederbelebung bei einem Herzstillstand, welche bisher noch nicht zur Standardausrüstung der Feuerwehren gehören, zu ergänzen. Die Zuschauer zeigten Verständnis dafür, dass die Schauübung vorzeitig abgebrochen wurde. Trotz des Zwischenfalls entschied sich die Feuerwehrführung in Absprache mit den Angehörigen des Betroffenen, das Fest in verringertem Umfang fortzusetzen.

 

»Wollen integriert werden«

 

Seit einem Vierteljahrhundert versehen die ersten Frauen in der Niedernberger Feuerwehr ihren Dienst. Monika Schmitt und Andrea Hock, die Feuerwehrfrauen der ersten Stunde, werden inzwischen von acht weiteren Kolleginnen unterstützt. Jedoch wollen die Frauen in der Feuerwehr keine Sonderbehandlung, sondern von ihren männlichen Kollegen akzeptiert und integriert werden.

 

Kommandant Uwe Reinhard ist Stolz auf »seine Frauen«. Er betont, dass der Frauenanteil im bundesweiten durchschnitt mit sieben Prozent sehr schwach sei. In Niedernberg könne man hingegen auf einen Frauenanteil von etwa 14 Prozent blicken. Feuerwehrfrau Janett Kreibich bestätigt : »Wir wollen gleich behandelt werden.« Sicherlich tue sich ein Mann etwa beim Umgang mit dem schweren Rettungsspreizer leichter. Dafür zeigten Frauen aber bei der Betreuung von Patienten oder Betroffenen mehr Einfühlungsvermögen.

 

Ralf Hettler